Türkei Teil 2

06. April 2019

Die Tour von Ankara nach Göreme

Morgens, vor und nach dem Frühstück, mußte ich noch an einem Webprojekt arbeiten. Mein neuer Reisebegleiter war während dessen auf der Suche nach einem Schafsfell für seinen Motorradsitz - ganz nach meinem Vorbild. Das wusste ich allerdings nicht. Da ich nach getaner Arbeit und bepacken meines Motorrades, noch über eine halbe Stunde vorm Hotel auf ihn gewartet habe, fuhr ich alleine los. Hab ICH ihn wohl zu lange warten lassen? Und ist er deswegen ohne mich losgefahren? Die Adresse vom Hostel in Göreme hatte ich ja. Somit war das nun kein Problem für mich.

AdSense es-ist-so-weit inArticle-Anzeige aktivieren

Abends, kurz vor Sonnenuntergang kam ich im Hostel an. Doch dann gab es noch einige Diskussion wegen einer fehlenden Reservierung. Nachdem ich glücklicherweise auch ohne gültiger Reservierung ein Bett bekam, ging ich zurück zum Motorrad um mein Gepäck zu holen. Da hörte ich den bollernden 1 Zylinder den Berg hochkommen.  Das Motorrad und Carlo waren völlig mit Schlamm überzogen. Er erklärte mir das mit dem Fell und dass er beim Versuch am Ufer eines Sees eine Runde zu drehen, so im Schlick stecken geblieben ist, dass es fast eine halbe Stunde gedauert hat, um sein Motorrad da wieder heraus zu kommen. Das Bild dazu sah schon witzig aus: Eine tiefe Reifenspur mit seitlichen Fußabdrücken wie von einem Tausendfüßler. Aber meine Schadenfreude hierüber sollte sich später rächen :-)

07. April 2019

Morgens gab es leichten Regen, so dass der traditionelle Massen-Ballonstart leider abgesagt wurde. Also nahm ich mangels Alternativen und trotz meiner Abneigung gegenüber touristischen Veranstaltungen an einer Bustour geannat "GreenTour" teil. Letztendlich erfuhr man so auch etwas mehr über die Sehenswürdikeiten und Besonderheiten der Umgebung:

  • ... über erloschene und mit Wasser gefüllte Vulkankegel
  • ... verlassene Felsensiedlung mit alten im Fels eingelassenen Kirchen
  • ... traditionelles türkisches Essen an einem romatischen Flußlauf
  • ... über einen mystischen Drehort für "Krieg der Sterne"
  • ... über ein riesiges Höhlensystem, welches über 2000 Jahre alt zur Abwehr der Feinde diente
  • ... über Steinmetze und Drechsler die aus dem heimischen Fels ware Kunstwerke herstellen
  • ... und über türkische Süßigkeiten, mit Kostprobe

Alles in allem, ein netter Ausflug bei trübem, aber meist trockenem Wetter.

08. April 2019

Zweiter Versuch, die Ballomne zu sehen. Das Wetter sollte gut werden. Mit Carlo verabretete ich mich bereits um kurz vor 6 an der Rezeption. Der Plan war, mit unseren Motorrädern einen besonders exponierten Platz anzufahren, um die Ballone gut fotografieren und filmen zu können. Allerdings klingelte bei meinen Bettnachbarn bereits um 5:00Uhr der Wecker. Also stand ich gleich mit auf und genoss noch eine kurze heiße Dusche. Um 20 vor 6 stiefelten wir aus der Haustür unseres Hostels in Richtung Motorräder.

AdSense es-ist-so-weit inArticle-Anzeige aktivieren

Beim Blick über die Straßenmauern konnte ich bereits die ersten bunten Stoffwülste zahlreicher Ballone erkennen, die noch am Boden lagen und von großen Gebläsen mit Luft gefüllt wurden. Sollten wir etwa zu spät kommen? Es war ja gerade mal nur ansatzweise hell im Morgengrauen. Also legten wir einen Zahn zu. In einer abenteuerlichen Fahrt über holprigen, steilen, feuchten und kurvenreichem Kopfsteinpflaster erreichten wir endlich eine Anhöhe mit einem hervorragenden Blick auf Kappadokien mit seinen einzigartigen Tuffstein-Felsgebilden wie eine Armee aus Zwergen.

Wie schon in meiner WhatsApp-Gruppe betituliert, sagen Bilder mehr als 1000 Worte. Dennoch ist dass Gefühl, welches einen ereilt, bei hunderten bunten aufsteigenden Heißluft-Ballonen mit riesigen bis zu 20 Personen fassenden Körben, in einer weltweit einzigartigen Landschaft bei optimalen Wetterverhältnissen und einer glutrot aufgehenden Sonne einfach nur überwältigend. Überall hörte man begeisterte Lustschreie aus den Körben und am Boden. Mit einem breiten Grinsen schießen einem die Freudentränen in die Augen. Fast 1 1/2 Stunden verweilten wir in den Felsen um die Bilder ins Hirn und auf unsere Speicherchips einzubrennen.

Nach dem nur noch wenige (dutzende) Ballons in der Luft und in unserer Nähe waren, fuhren wir ins Gelände. Endlich mal offroad mit wenig Gepäck und auf sanften und sandigen Singeltrails zwischen den Felsgebilden zu scrambeln, macht tierisch Spaß. Da überall in dem Gelände die Rückholfahrzeuge unterwegs waren, störte sich auch niemand daran. Es war keine verbotene Aktion ;-)

Den restlichen Tag möchte ich allerdings schnell vergessen. Hier war ich wieder in meinem alten Element. Der digitalen Welt, um Webseiten zu programmieren. Die Umsetzung von Sonderwünschen kann einem manchmal die Nerven rauben, wenn es partout nicht gelingen will. Erst Abends um kurz nach acht, hatte ich die Schn... voll und den Magen leer. So ging ich mit 2 Mitbewohnern aus dem Hostel, einem jungen Mädel aus Landsberg und ihrem ebenso jungen rothaarigen US-amerikanischem Freund irischer Abstammung zum Kebab essen. Schon lange hab ich nicht mehr so lachen müssen, wie über diese beiden Clowns :-)

09. April 2019

Mitten in der Nacht kam mir eine Idee, wie ich das Problem mit meiner Kundenwebseite in den Griff bekomme. So stand ich bereits wie gestern um 5:00 Uhr auf und setzte mich im Frühstücksraum des Hostels an den Rechner - nach 2 Stunden hatte ich meinem Kunden gegenüber ein besseres Gefühl als gestern. Zum Glück konnten heute die Ballone aufgrund des kräftigen Windes nicht starten. Ich hätte mich sonst geärgert, dies zu verpassen. Nach dem Frühstück hies es dann alles Geraffel zusammenpacken und die Motoren starten.

Weiterfahrt von Göreme in Richtung Grenzgebiet von Armenien, welches wir in 3 Etappen á 300km pro Tag erreichen wollen. Von Anfang an blies uns mal wieder mein persönliche Gegner ins Gesicht - der heftige, bis zu 50 oder 60km/h kräftige Ost-Süd-Ost Wind. Warum konnten die Türken ihre Straßen nicht in Windrichtung bauen? Teilweise fuhren wir auf der Geraden mit 15 Grad Neigung gegen den Wind. Immer wenn ein LKW zu überholen war, wurde es gefährlich. Im Windschatten des LKWs musste man sein Gegengewicht natürlich sofort aufheben um den LKW nicht zu tuschieren und bei Erreichen der Fahrerkabine sofort wieder in den Wind legen, damit man nicht die Mittelleitplanke tuschiert.

Der erhöhte Benzinverbrauch führte sogleich dazu, dass wir recht schnell bei beiden Motorrädern auf Reserve kamen. Die Reserve reicht dann noch für ca. 50 - 60km. Bei dem strammen Gegenwind eher nur 50km. An der 1. Tankstelle - der Tankwart kam auf uns zu und deutete sofort, dass kein Benzin zu haben sei, aber er hätte gutes Essen anzubieten. Wir winkten ab und fuhren weiter. An der 2. Tankstelle ähnliches Spiel, ebenfalls kein Benzin mehr - mhhh?! Na toll? Haben die alle Ihre Rechnung nicht bezahlt? An der 3. Tankstelle fragte ich bereits im langsamen Anrollen per Handzeichen ob Benzin vorhanden sei - nein - so gaben wir gleich wieder verhalten Gas. Etwas Panik kam auf. In Anatolien liegen die Städte dann doch ein wenig weit auseinander. Auf der Gegenfahrbahn der 4. spurigen Schnellstraße/ Autobahn sah ich ein Auto an einer anderen Tanke stehen. Bis wir aber auf der Autobahn durch ein Lücke in der Mittelleitplanke drehen konnten, passierten wir noch eine weitere Tankstelle. Auch diese war trocken. Dann schlussendlich die letzte Möglichkeit. Endlich konnten wir tanken, welch ein Glück mein 12Liter-Tank war mit 11,5 Litern endlich wieder voll und nun entschied ich mich gleich dazu, trotz offiziellem Verbot auch meinen Reservekanister zumindest mit 3 - 4 Litern Benzin aufzufüllen.

Schon am frühen Nachmittag erreichten wir dann die Stadt Sivas. Nach einem kurzen Spaziergang und einem lecker Essen in einem Kebab-Restaurant relaxten wir nun im Hotelzimmer. Ich kam endlich mal wieder zum schreiben und meinen total verspannten Nacken zu entspannen.

10.  - 12 April 2019

Ostanatolien: Von Sivas nach Erzurum und weiter nach Kars - die alte Seidenstrasse.

Können die Überquerung bei eisigem, nasskaltem und windigen Wetter von 3 Passstraßen mit über 2000 Höhenmetern Spaß machen? Und kann es Spaß machen, bei eben diesem Wetter im Schlamm stecken zu bleiben? Und wie ein ominöser Kameradiebstahl aufgeklärt wurde, all das erfahrt Ihr hier in Kürze.