Georgien Teil 2

24.04. Hundstage - von Tiflis nach Udapno
Die Reise bleibt spannend!

Nach meiner Abfahrt vom Hostel Pinn in Tiflis war mein erstes Ziel die alten deutschen Ansiedlungen ca. 70km südlich gelegen. Vor einigen 100Jahren gab es aufgrund von mangelnder Zukunfstperspektiven eine Abwanderungswelle aus Süddeuschland, genauer aus dem Ulmer Raum, bei der zahlreiche Familien mit kleinen Booten entlang der Donau und dann übers schwarze Meer bis nach Georgien gelangten. In einem Reisebericht über Bolnissi - früher Katarienefeld - wurden Straßenzüge mit alten maroden Häusern im süddeutschen Baustiel gezeigt. Das Beste aber war, die ortsansässige Feuerwehr besaß einen bei uns ausgemusterten MAN-Feuerwehrwagen aus meiner alten Heimat Siegen/Neunkirchen. Diesen hätte ich sehr gerne fotografiert. Doch ich fand keinen richtigen Weg aus Tiflis heraus.

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Mir viel die Orientierung in dieser Stadt allerdings nicht leicht, zumal ich bei strömendem Regen hier angekommen bin und alles gleich aussah. Dazu die teilweise sehr schlechten Straßen. Nachdem mich dann bereits mehrere Idioten von hinten kommend mit überhöhter Geschwindigkeit fast abgeschossen hätten, immer dann wenn ich einem Schlagloch ausweichen wollte, beschloß ich den schnelleren Weg raus aus der Stadt zu nehmen. Dieser führte mich auch gleich in Richtung meines zweiten Etappenziels des Tages, nach Udapno in der Halbwüste Georgiens. Ich verstehe einfach nicht, wieso trotz der immens hohen Polizeipräsenz in ganz Georgien, die Fahrweise der Georgier nicht zivilisierter und rücksichtsvoller abläuft (?!?)

Langsam erreichte ich die Randzonen der Landeshauptstadt und ich steuerte eine Tankstelle an. Seit einiger Zeit vielen mir etwas komische Geräusche am Motorrad auf. Der sehr gemütliche alte Tankwart erwartete mich sitzend in seinem alten Campingstuhl bis ich mein Motorrad abgestellt, den Tankrucksack weggeklappt und mein Tankschloss geöffnet hatte. Dann kam er von hinten an mich herangetreten, tippte mir auf die Schulter und zeigte mir einen langen Draht in der Stärke eines Weidenzaun-Drahtes der unter meiner Packtasche hervorlugte. Ach du Scheibenkleister! Was hab ich mir denn da eingefangen? Der Draht hat sich auf der Bremsscheibenseite einmal um meine Steckachse gewickelt und beide Enden hatten sich um Rahmen und Schwinge verhäddert. Der Tankwart half mir dabei, diesen störrischen Alien zu entfernen, was einige Zeit in Anspruch nahm. Das hätte auch böse ausgehen können, wenn der Draht sich in meiner Bremse verfangen hätte - oder in der Kette.

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Vollgetankt ging es nun in Richtung Halbwüste. Mein Navi ließ mich in einen unbefestigen schlammigen Weg einbiegen, den ich als solchen erst garnicht erkannte. Gleich hinter einer großen, augenscheinlich stillgelegten Industrieanlage, tat sich aufgrund der vielen Regenfälle eine Minatur-Seeenlandschaft auf. Doch heute war schönstes Wetter bei angenehmen Temperarturen um 20 Grad. Hier soll ich rein fahren? Der Kontrollblick auf mein Navi mit etwas kleinerem Maßstab zeigte mir, dass dies nur eine Querverbindung zu einer anderen Straße sein mußte. Ich umfuhr das Industriegebiet im halben Bogen und konnte festellen, dass sich doch kleinere Unternehmen sich hier eingemietet haben. Der schlammige Zustand der Straße verschlechterte sich allerdings zusehens, bis ich vor einer richtig großen Pfütze stand. Soll ich - soll ich nicht? Was solls!? Heute ist offroad-Tag und vorsichtig durchquerte ich das schlammbraune Wasser, dass sich bis kurz vor eine Kreuzung mit Bahnübergang erstreckte. Hier standen auch zwei Sattelschlepper, die sich gerade in Bewegung setzten. Oh nein! Dahinter saßen zwei ausgewachsen Hunde, die nun auf mich aufmerksam wurden und wie sollte es anders sein freundlich empfingen. Ich konnte nicht flüchten, da sich mein Motorrad immer noch bis zur Felge in der Pfütze befand und die Trucks meinen (Flucht-)Weg blokierten. Also blieb nur abzuwarten, was die Hunde machen - in jedem Fall mir ordentlich Angst einjagen :D

Nun lagen rund 70km Schlagloch- und Schotterstrecke mit teilweisen schlammigen Passagen und steileren Hügeln und Flußbettdurchfahrten vor mir. Noch war die Landschaft mit grünem Grass bedeckt, was auch den vielen Regenfälle der letzten Tage geschuldet war. Aber in wenigen Wochen wird hier alles von der Sonne verbrannt und die Bezeichnung als Halbwüste gerechtfertigt sein. Riesige Schafsherden begrasen das Gebiet und werden von berittenen Schäfern (sind es dann trotzdem Cowboys?) und ziemlich unfreundlichen Hirtenhunden bewacht.

Als ich wieder eine der Schafsherden passieren wollte und am rechten Wegesrand mehrere Schäfer eine Picknick-Pause einlegten wurde ich von diesen herbeigewunken. Na klar hielt ich an. Denn so ein zweisprachiger Plausch wo keine Seite die andere versteht ist immer interessant. Aber wenn man einen Becher Bier gereicht bekommt und das in einer Landschaft, in der ich seit etlichen Kilometern keinen Polizisten mehr gesehen hab, dann versteht man sich auch ohne die gleiche Sprache zu sprechen :-)

Auf der weiteren Fahrt wurde ich mehrfach von Hirtenhunden in arge Bedrägnis gebracht. Meistens war ich schnell Genug um denen im Gelände auf und davon zu fahren. Doch dann, vor einer Gabelung, rechts Schlammweg - links einen steilen Hügel hinauf, war mir nicht mehr klar, ob ich noch auf dem richtigen Weg nach Udapno sei. Ich hielt bei einem Schäfer an um nach dem richtigen Weg zu fragen. Sein Hirtenhund kam sofort angerannt und kläfte wie wild und kam mir immer näher. Erst als ich den Motor stoppte beruhigte er sich. Ich solle nach rechts in den Schlammweg einbiegen. Na toll! Somit hatte ich keine Möglichkeit mit Vollgas abzuhauen. Ich startete den Motor. Der Hund rastete sofort wieder aus. Mein Versuch weiter zu fahren war unmöglich. Dieses Machtspielchen wiederholte sich mehrfach: Motor aus - Hund ruhig! Motor an, einen bösen Wolf an der Hacke.

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Auch der Schäfer fand trotz lauten Kommandos kein Gehör der Töle. Schließlich nahm er einen dicken Stein und traf damit den Hund an der Hüfte. Dieser setzte sich beledigt hin. In dem Moment als ich gerade losfahren wollte, kam eine weiterer Hund bellend von oben angerannt und beide schnitten mir den Weg ab. Mir reichte es jetzt. Ich fing nun auch laut an zu schreien und fuhr einfach weiter. Ich glaube sie verstanden mich, denn nach wenigen Metern ließen sie von mir ab.

Es konnten nur noch wenige km bis Udapno sein. An einem Hügel sah ich zwei Häuser und vermutete, dass diese schon zum Ort gehörten. Fehlanzeige! Es waren ein großer Bauernhof mit Wohngebäude und große Schafsställe. Und was gehört zu einem Bauernhof? Na klar - bissige Wachhunde! Nachdem die ganze Familie, zwei Söhne sowie Mutter und Vater um meinem Motorrad versammelt waren, warteten bereits zwei Hirtenhunde mit etwas Abstand auf ihr neues Opfer. Nach den üblichen Verständigungsproblemen deutete mir einer der Söhne den Weg. Nach einem freundlichen Spasiba und Verabschiedung drehte ich mein Motorrad in die Richtung ohne den Motor zu starten. Zündung an - Traktionskontrolle aus - ABS aus - Starterknopf und 3-2-1 Vollgas!! Im Beschleunigungsrennen mit den Hunden nahm ich denen auf der 1/4Meile etwa 20m ab. Beim nächsten Glemseck 101 werde ich mich im Starterfeld aufstellen lassen ;).

Es wechselte langsam die am Wegesrand grasende Tierart von Schaf zur Kuh. Der Weg wurde schlammiger und mit braunen Fladen verziert. So war es wie oft in der Steppe üblich, den Weg um eine weitere Spur links oder rechts versetzt zu verbreitern. Über einen sanften Hügel hinweg sah ich dann endlich das schmale Band einer kleinen Ortschaft. Das mußte Udabno am Ende der Welt sein!

Kurz bevor ich den Ortsrand erreichte, kam ein junger Mann auf seinem Pferd im schnellen Galopp auf mich zugeritten. Direkt neben mir stoppte er sein kleines schlankes Pferd und begrüßte mich sehr freundlich. Er sprach auch englisch, so konnte ich seine typischen Fragen gut beantworten und - nach dem wir ein Selfi von uns machten - auch die Frage nach meinem Instagram-Account :-)

Ich befand mich sogar auf dem richtigen Weg, an dessen rechtem Rand sich auch das unter Travelern bekannte Oasis-Club-Café Befand. Aber welches ist denn nun das Oasis? Denn die beiden als Restaurant gekennzeichneten Gebäude sahen sich sehr ähnlich. Ich hielt am ersten Gebäude an, da hier auch mehr Personen auf der Stufen-Terasse waren und ich von einem netten Typen herangewunken wurde. Ich bestellte mir als erstes einen türkischen Kaffee und ein Wasser und ein Bier gleichzeitig. Diese Getränkekombination sollte meine ausgetrocknete Kehle wieder geschmeidig werden lassen und mich für die Strapazen belohnen. Ein Tschai hätte es vielleicht auch getan ;-)

An einem freien Holztisch und auf einem Holzklotz als Sitzhocker nahm ich Platz. Neben mir saßen zwei Jungs und zwei Mädels - eindeutig deutsch.  Und so dauerte es nur Sekunden, saßen wir gemeinsam an einem Tisch.  Es begann ein nettes Gespräch und es stellte sich heraus das Emmi und ?? ebenfalls aus München kamen und mit Lea Riek (Weltumrundung 2016/17 auf einer Triumph-Reiseenduro) gut befreundet sind. Die bemerkenswerten Zufälle reißen einfach nicht ab.

Wie einsam und verlassen und klein dieses Udapno mitten im Nirgendwo auch ist, ich bin an dem Tag mit unglaublich vielen unterschiedlichen Menschen zusammen getroffen, die beiden Münchner, mit 2 Pärchen aus London, mit einer Reisegruppe aus Münster und einer einheimischen Männerrunde. Und mit meinem Zimmervermieter im Old-House visavis vom Restaurant. Mein Motorrad stand sicher vor seiner Kellerbar, an der er mich 2x zum Chacha und Bier trinken eingeladen hat. Der Tag war noch nicht zuende, so trafen sich später alle am großen Lagerfeuer vorm Restaurant und es war ein fantastischer und lustiger Abend.

25.04 Udapno mal etwas ruhiger

Am nächsten Tag brauchte ich etwas länger um auf Touren zu kommen. Ich nutzte die Vormittagszeit für meine Arbeiten am PC und bin erst am Nachmittag aufs Motorrad gestiegen um ein etwa 20km entferntes, direkt an der Grenze zu Armenien liegendes Kloster zu besichtigen. Die Fahrt ging zunächst über eine mit Schlaglöchern übersäte Straße und wechselte dann in einen sehr groben Schotterweg. Mir machen solche Fahrten grundsätzlich Spaß. Aber je weiter ich von zu Haus oder einer Werkstatt entfernt bin, desto vorsichtiger oder besser gesagt schonender gehe ich mit meinem Material um. Umso mehr ärgert es mich dann, wenn trotzdem ein Schlagloch übersehen oder schlecht eingeschätzt wurde und es so richtig rummst im Gebälk. Ich bin heilfroh über die Investition in mein Wilbers-Fahrwerk.

Am kleinen Parkplatz unterhalb des Klosters angekommen gab es wieder ein nettes Gespräch mit einer Reisegruppe vom Bodensee. Und kaum waren die in ihrem Reisebus verschwunden, hörte ich vom Berg laut "Hi Jürgen!" rufen. Es waren die beiden Holländer Jeroen Langeweg mit seiner Freundin. Was (schon wieder) für ein Zufall. Die beiden waren auch im Hostel Pinn in Tiflis untergebracht und haben diesen Ausflug gebucht. Zu deren Reisepaket gehörte es im Oasis Club Udapno einen Zwischenstop einzulegen und bei gutem georgischem Wein zu gut zu Essen. So trafen wir uns an dem Abend zweimal. Dieser und auch der nächste Tag endete ansonsten völlig unspektakulär. Nur eines viel mir auf. Noch nie habe ch einen Ort mit ohne mechanische Geräusche wie Autolärm, Rasenmäher, Laubbläser etc. erlebt, der dennoch so laut sein konnte. Hier vereinten sich am späten Nachmittag alle Viechereien einer nicht industrieellen und rein biologischen Viehhaltung zu einem gemeinschaftlichen Chor: Hühner, Schafe und Ziegen, Kühe, Schweine und grr Hundegebell.

26.04 Abschied von Udapno

Da mein Stellpatz immer erst vom Hostelbesitzer aufegschlossen werden mußte, ich aber wieder sehr früh wach war, stapelte ich mein Gepäck bereits draussen unter Sonnenschirm. Da mich der kleine Hunger wieder quälte wollte ich mir noch schnell im 150m entfernten kleinen "Magazin" (Garagenverkauf von Lebensmitteln) etwas zu essen kaufen. Ein älterer Herr kam noch in sicherer Entfernung eine abschüssige Ortszufahrt zusammen mit seinem Hirtenhund entlang auf den Ort zu spaziert. Aber was hab ich nur getan? Als ich das Geschäft mit einem Brot, Wasser und Snickers verlies hörte ich schon wieder Geknurre und Gebell schnell auf mich zu kommen, obwohl ich doch ohne Motorrad unterwegs war!!

Da aber alle Hunde in Georgien anscheinend kein Halsband tragen, konnte der Besitzer nur durch laute Kommandos versuchen den Hund zurück zu halten. Gelang ihm aber nicht. Dann kam mir ein Tipp von Uwe und Isabel, den beiden Radreisenden in den Sinn - „wirf einfach ein Stück Brot hin!“. Ich riss fast die Hälfte meines frischen Weißbrot ab und warf es dem Köter vors Maul. 1. Fehler : ich hätte es weit weg werfen sollen 2. Fehler: ich hätte das ganze Brot werfen sollen. Denn für diese große Schnauze war das halbe Brot mit einem Biss verschlungen und schon sprang er mich wieder an und schnappte nach mir. Der Hundebesitzer nahm dann einen Stock und brachte den Hund dazu, von mir abzulassen er nahm den Hund in den Schwitzkasten, bis ich in Sicherheit war.

Kurz darauf kam der Sohn des Hostelbesitzers und öffnete mir den Stellplatz. Nun konnte ich alles aufschnallen und kurz darauf losfahren. Die Fahrt führte mich zur anderen Seite aus Udapno heraus. Angeblich soll es die bessere Straße, naja - die war über 30km wieder einmal die reinste Schlaglochstrecke aber es gab keine Schafherden und keine bissigen Hunde mehr. Anschließend kam ich auf die Hauptverbindungsstraße zwischen Tiflis über Sagaredscho bis Sighnaghi.

Diese Straße wird auch als die Weinstraße Georgiens bezeichnet und ist landschaftlich und auch vom Straßenbelag sehr schön zu befahren. Unzählige kleine Händler und Winzer säumen die Straße und buhlen um Gäste. Viele Reiseveranstalter karren mit Bussen die Touristen von Tiflis als Tagesausflügler dort hin. Der Höhengewinn auf der Strecke war kaum merklich aber stetig. Wenige Kilometer vor Tiflis ging es dann noch einmal nach rechts weg auf eine kleinere Straße die mich durch interessante kleine Bergdörfer führte.

Nach einer letzten Anhöhe und Kurve wunderte ich mich über die vielen dort am rechten Straßenrand geparkten Autos und Busse. Alle Insassen standen mit Kameras und Handys bewaffnet auf der anderen Seite. Nun sah ich es auch. Dieses schmucke Städtchen Sighnaghi, in der gelben Nachmittagssonne angestrahlt, mit der langen Stadtmauer und der kleinen Burg und Kirche auf einem Hügel. Dahinter die weit tiefer liegende Ebene des Flusses Alazani und dann der Kaukasus mit seinen schneebedeckten 3000ern.

Das Hostel war schnell gefunden und ganz nett. Die ganze Zeit, seit ich Tiflis verließ, freute ich mich immer darüber, gut gepackt zu haben, denn in einem der Ortliebsäcken war immer noch etwas Platz. Oder sollte vielleicht doch noch etwas fehlen? Als ich all meine Sachen im Zimmer ausgepackt hatte, viel es mir auf. Meine Innenjacke meines Kombis fehlte. Auch das noch!! Wo kann ich die vergessen haben? Langsam dämmerte es mir. Als ich vor Tagen in Tiflis im Hostel Pinn ankam, hatte ich die sehr feuchte Jacke auf einen Bügel zum Trocknen zwischen den ganzen anderen Jacken der Zimmernachbarn aufgehängt. Das schlichte Schwarz fiel mir bei meinem letzten Rundumblick in unserem Zimmer vor der Losfahrt nicht auf. Nach einigen WhatsApp-Nachrichten mit dem Pinn-Hostel war es klar, meine Jacke hing noch da. Was für ein Glück. So stand mein Plan für den nächsten Tag fest. Rückfahrt nach Tiflis ca. 110km um dieses eventuell auf dem Pamir wichtige Kleidungsstück zurück zu holen.

27.04 die Extratour nach Tiflis

Ich stand mit den ersten Sonnenstrahlen kurz nach 6 auf und schwang mich ohne Frühstück auf mein Motorrad. Endlich mal ohne Gepäck! Ich genoss die Fahrt. Da es ein Samstag war und ich bereits so früh starten konnte, lief die Fahrt absolut reibungslos und ohne viel Verkehr. Im Hostel angekommen freute sich der Hostelbesitzer mir die Jacke übergeben zu können. Wir tranken noch gemeinsam einen Kaffee und ich machte mir von meinen eigenen Vorräten eine Kleinigkeit zu Essen.

Nach einer ebenso flotten Fahrt zurück nach Sighnaghi hieß es nun mich um mein vorgezogenes Visum für Aserbaidschan zu kümmern. Das war nicht so einfach, denn dieses 3D-Secure Verfahren schien meine Kreditkarten nicht zu akzeptieren. Mein Hilferuf in meine Family-WhatsApp-Gruppe brachte aber die Lösung. Laura, meine Stieftochter, ist selbst ständig in der Weltgeschichte (China) unterwegs, sie hatte keine Probleme mit Hilfe meines Zugangcodes mein Visum zu bezahlen. Drei Stunden sollte es nun dauern bis mein Visum per Email zugesendet wird. In einem Restaurant klärte ich erst ob ein Drucker vorhanden sei und ob ich ihn nutzen dürfte. Dann bestellte ich mir eine leckere Pizza. Pünktlich bekam ich das Visum und konnte es ausdrucken und gleichzeitig bezahlen. Der Tag lief ja wie am Schnürchen ;-)

28.04 Nie wieder Georgien!

Es ist 5:45Uhr. Diesmal stand ich noch früher auf, denn 550km lagen vor meiner Nase. Der Straßenzustand war mir unbekannt. Aber es war Sonntag und herrliches Wetter. Schnell war ich startklar und fuhr mit dem ersten Sonnenstrahl los. Meine Navigation lotste mich nach wenigen km aus der Stadt Sighnaghi in einen zunächst Schlaglochweg, der dann in eine recht steile Schotterstraße mündete. Ich dachte mir – egal – die Himmelsrichtung (Osten) stimmt. Es geht in die Tiefebene und als Einstieg ein wenig zu schottern macht wach. Das war eine gute Entscheidung. Der Weg war eine spaßige Abkürzung um dann auf eine gut ausgebaute Landstraße zu stoßen, die mich bis zur Grenze nach Aserbaidschan führen sollte. Wenige hundert Meter vor der Grenze nutzte ich die Gelegenheit alle Lari in meiner Geldbörse in Kekse, Snickers, Bananen und österreichische koffeinhaltige Zuckerbrause umzusetzen.

Dem georgischen Grenzposten, der bei der Ausreise nochmals alles genau kontrolliert viel auf, dass meine bei der Einreise für 15 Tage abgeschlossene Motorrad-Haftpflichtversicherung genau vor 8h abgelaufen sei. Die Strafe: 38Dollar. Ich empfand es als Schikane, aber es war bei der Einreise mein Fehler, die Tage nicht abgezählt zu haben. Das Herumzicken der Dame an der Kasse, wegen angeblich zu alter Dollarscheine brachte mich dann zu dem Entschluß: Nie wieder Georgien!  (Im Nachhinein bin ich mir da aber nicht mehr so sicher!)