Montenegro Teil 2

Sonntag, 24.03.2019

Endlich Sonntag, wir können wieder fahren. Die Einhaltung der Schabatt-Regeln kann auf Außenstehende schon ein wenig irritierend wirken. Nicht einmal einen Lichtschalter zu bedienen, um im hellen eine Toilette zu benutzen - sorry :(. Unsere Bikes sind wieder bepackt, der Abschied von unserer Gastgeberin und ihren Enkelkindern war wieder herzlich. Die Planung für die nächsten Reiseziele habe ich ganz Elhanan überlassen. Leider meistens kompromisslos, lässt er sich sowieso selten von etwas abbringen.

So ging es entgegen meiner geplanten Route in den 100km nördlich gelegenen Durmitor Nationalpark. Dies ist ein Bergmassiv mit einem 2.522m hohen Gipfel. Seit 1980 gehört der Nationalpark zum Unesco Weltkulturerbe. Wir umrundeten das Massiv entlang wunderbarer Schluchten und wollten dann von Nord-West in Richtung Süd-Ost einen Pass überwinden um den Ort Zabljak, einem bekannten Skiort der Region zu erreichen. Doch auf zwei unterschiedlichen Strecken wurden wir jedes mal von Schneemassen gestoppt. Zumindest für Motorräder waren die Serpentinen nur bis zu 2/3 der Passhöhen zu erklimmen. Das kostet natürlich viel Zeit und Energie.

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Angesichts der zu erwartenden niedrigen Temperaturen der Nacht war Zelten für mich kein Thema. So kehrten wir um und fuhren einen Großteil der Strecke wieder zurück. Die Sonne war bereits hinter den Bergen verschwunden und eine Übernachtungsmöglichkeit schwer zu finden. Nur per Zufall entdeckte ich einen Hinweis zu dem Nevidio Canyon in der Nähe von Poscenje. Vorgelagert war das urgemütliche Gasthaus Jatak mit festen Camping-Hütten. Wieder einmal ein glücklicher Ausgang einer fast hoffnungslosen Suche.

Im Gasthaus, komplett aus Holz gebaut und einer mittig gut angeheizten Feuerstelle, konnten wir uns aufwärmen und es gab noch ein lecker Bierchen. Während dessen wurde für uns das erste Campinghäuschen hergerichtet, das Wasser und Boiler nach der langen Wintersaison angestellt. Ein hier üblicher Klima- und Heizlüfter sorgte schnell für angenehme Temperaturen in der Hütte. Draußen war es Nahe 0 Grad. Wir wollten schlafen. Doch die warmen Temperaturen erweckten andere Lebewesen aus ihrer Kältestarre. Einige dutzend harmloser Stubenfliegen, die überall in den Holzspalten saßen, flogen plötzlich umher. Ich stöpselte mir Ohropax in die Ohren und zog mir den Schlafsack überm Kopf zu. Sofort schlief ich ein, aber nicht lange. Mein Zimmergenosse ballerte mit einem Kehrblech umher um die Zahl der Fliegen - mit wenig Erfolg - zu reduzieren. Dann ging er raus und holte eine große Sprühdose mit Mückenabwehr. Ein schweres Geschütz für ein paar Fliegen! Ich versuchte ihn davon abzuhalten dieses Gift in einem so kleinen Räumchen zu versprühen. Aber wie schon gesagt, er lässt sich kaum von etwas abhalten und verpestete die Luft mit diesem fiesen Gestank und Gift. Nach bereits mehreren Vorfällen dieser Art, und auch aufgrund der unterschiedlichen Zeitplanung für die bevorstehende lange Strecke, viel für mich der Entschluss, am nächsten Tag alleine weiter zu reisen.

Montag, 25.03.2019

Am nächsten Morgen war alles mit Raureif überzogen, aber die Sonne schien. Wir packten ohne Frühstück unsere sieben Sachen zusammen und fuhren noch gemeinsam eine knappe Stunde bis Zabljak. Dort wurde noch in einem Supermarkt etwas Brot, Käse und die für sein Frühstück obligatorische Tüte Chips gekauft. Ich hatte irgendwie kein Appetit und verabschiedete mich von Elhanan ohne etwas zu essen. Erst bei der sehenswerten Budecevica-Tara Bogenbrücke aus dem Ende der 30er-Jahre hielt ich an, um seit langer Zeit wieder einmal einen leckeren Cappuccino zum Frühstück zu trinken. Endlich wieder frei! Das mag komisch klingen, aber das war mein Gefühl und ist es bis heute geblieben.

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Durch die fast 100km lange Tara-Schlucht fuhr ich gemütlich und gefühlt als einziges Fahrzeug wieder zurück bis nach Podgorica und von dort aus bis zur Grenze nach Albanien. An der letzten Tankstelle vor der Grenze saß ich noch eine halbe Stunde zusammen mit dem Tankstellenbesitzer und wir unterhielten uns über Montenegro und Deutschland. Wie so viele Menschen hier, war er eine Zeit lang in Deutschland/Frankfurt tätig und konnte noch relativ gut deutsch.

Bye bye, Montenegro, du hast mir gut gefallen.