Kroatien

Sonntag, 17. März 2019

Das Wetter auf der anderen Seite des Wurzenpass war doch noch sehr vorfrühlingshaft, kühl und grau. Nix mehr mit schönem Sonnenschein und kuscheligem Fahrkomfort. Die Landschaft, die schönen Strässchen, die unzähligen Kurven, Berg rauf und wieder runter, ließen diese Tour bis an die slowakische Grenze dennoch zum Genuss werden. Meinem Etappenziel Rijeka in Kroatien war ich trotz flüssiger Fahrweise noch nicht viel näher gekommen, so dass ich für eine Teilstrecke die Autobahn gewählt habe. Aber Autobahn zu fahren bei ruppigem Gegenwind und ohne Verkleidung die einem den Wind abhält, läßt die Nackenmuskulatur irgendwann schmerzen. Also runter von der Bahn und die letzten 50km wieder Landstrasse. Schöner ist das.

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Es war schon später Nachmittag, die Dämmerung begann und ich hatte Hunger, noch keine Unterkunft und noch keine Landeswährung in der Tasche. Da mir große Städte nicht behagen, suchte ich ohne langen Aufenthalt gleich den Einstieg in die berühmte kroatische Küstenstrasse Richtung Süden. In einem kleineren Ort mit einem großen Discounter hielt ich an, um mir eine Kleinigkeit zu kaufen. Ein nettes Päärchen wechselten mir 10Euro zum Kurs von 1€:7,3Kuna. Bei denen hätte ich gleich 50 Euro wechseln sollen, denn am späteren Bankomaten der Sparkasse bekam ich einen bescheidenen Kurs von nur 1€:6,8Kuna. Der offizielle Währungskurs steht bei 1:7,4. Banken sind Verbrecher!

Wie schon in Österreich gestaltete sich die Suche nach einer Unterkunft mehr als schwierig. Es steht zwar überall Zimmer oder Apartment angeschlagen. Aber diese ganzen Ferienanlagen und Strassenzüge sind im März noch verriegelt und verrammelt. Da fielen mir mal wieder Uwe und Isabel ein, die auf ihren Touren auch viel lieber im Freien mit Zelt übernachten, als sich irgendwo einzuquatieren. Zwischen zwei Ortschaften an der Küstenstrasse fand  ich einen versteckten Wegabzweig in ein Waldstück. Der Weg endete nach 50m vor einem großen wilden Ablageplatz von Holzbrettern und zerlegten Möbeln. Ideal um einen schnellen Schlafplatz herzurichten - Bretter als Unterlage, meine Schutzplane drüber, meine Isomatte, Schlafsack und darüber mein Tarp gespannt.

Montag, 18. März 2019

Die Nacht begann für mich schon um 20:00 Uhr (Kinderzeit). So blieb es nicht aus, mitten in der Nacht mit dem Gefühl aufzuwachen, dass es gleich hell wird. Aber der Blick aufs Handy verriet, es ist erst 01:59Uhr. Also versuchte ich wieder einzuschlafen, was mir nur schwer gelang. Zu heftig rappelte der Wind in Böen am Tarp. Es war im Morgengrauen, als dieses verflixt häßliche Geräusch, wenn Regentropfen auf ein Zeltdach/Tarp prasseln, mich aus meinen Träumen riss. In Windeseile wurden meine Kombi anegzogen, mein Geraffel zusammengepackt und dann die Maschine gestartet.

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F...! Wie soll ich hier rumdrehen? Ich Stand zwischen dem Holzhaufen und einem kleinen Erdwall. Rückwärts schieben bei dem Gewicht? Unmöglich! Rückwärtsgang - Ha! Ha! Also Lenker einschlagen mit Schwung an der seitlichen Böschung hoch und beim Rückwärtsrollen Lenker anders einschlagen. Nach X-Wiederholungen steht man dann in der entgegengesetzten Richtung. Angenehmer Nebeneffekt: man ist schön aufgewärmt und wach! ;-) Wieder eine Lektion gelernt: Immer das Motorrad so parken, dass man von dort auch ohne Aufwand weiter fahren kann!

Die Küstenstrasse von ca. 10km hinter Rijeka bis ca 30km vor Split ist für Motorradfahrer ein Gedicht! Vorausgesetzt es ist März, es sind keine Touris und nicht einmal Einheimische unterwegs. Mit den richtigen Klamotten macht diese Strecke auch im Regen Spaß. Solange man sich von den kroatischen Fahrbahnmarkierungen fern hält. Die sind so rutschig wie nasser Klavierlack. Zwei Ausrutscher haben zum Glück nicht zum Sturz gefüht. Aber der Warnschuss hat gesessen.

Ein Freund und Triumph-Fahrer hatte mir über seine Verwandtschaft eine Unterkunft in Split angeboten. Doch auch diese Unterkunft war leider in der Vorsaison noch nicht bezugsfertig. So entschloss ich mich dann kurzerhand weiter Richtung Bosnien und Herzegowina und in die historischen Stadt Mostar weiter zu fahren. Meine letzten Kuna wurden an einer Tankstelle in 95 Oktan Super getauscht und dann ging es zur Grenze.