Georgien

13. April 2019

Der folgende Grenzübertritt war gewohnt nervig, mit den üblichen Unklarheiten an welchen der 4 oder 5 Stationen man was bekommt und wo wieder vorzeigen muss. Danke EU, dass du uns so einen Scheiß ersparst! Ich kam als erstes in Georgien an und wurde von zahlreichen "Bauernfängern" umworben, ich solle doch bei ihnen die in Georgien obligatorische Haftpflichtversicherung fürs Motorrad abschließen. Ich entschied mich einfach nach dem Zufallsprinzip und wo ich am besten parken konnte. Eine Versicherung für 15 Tage sollte reichen, kostete auch nur 15Euro. Naja, dass ich die Zeit nicht wirklich nachgerechnet hab, sollte ich später nochmals bereuen.

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Das über booking.com von mir ausgesuchte Hostel in Batumi, hatte zwar eine gute Lage, kostete nur 5 Euro/Nacht, die Zimmer waren auch nett (4 x 2-Stockbetten) aber der Rest war an Einfachheit nicht zu unterbieten (heute weiß ich es besser - doch es geht!). Viel gelobtes Georgien! Wo sind die Menschen, die die Schönheit des Landes in Ihren Gesichtern widerspiegeln? Was für ein krasser Unterschied zur Türkei! Ich vermisse hier von Anfang an die Aufmerksamkeit, das Lächeln in den Gesichtern, das freundliche Winken, wenn man mit seinem Motorrad die Straßen entlang fährt. Das Hostel lag im 1. Stock. Der Treppenaufgang war wie durch eine stillgelegte und völlig heruntergewirtschaftete Lagerhalle - aber - links vom Haupteingang befand sich das Hofbräuhaus und rechts neben dem Eingang das Restaurant Munich. Auf der Suche nach netten Georgiern besuchte ich erst das Restaurant Munich. Ich hatte ja zwei Nächte gebucht und konnte den nächsten Abend ins Hofbräuhaus. Mit Carlo saßen ich zunächst auf der Außenterasse um etwas zu essen. Er wollte aber gleich zurück ins Hostel. Sein Plan war am nächsten Morgen weiter zu fahren, da er Besuch aus Italien in Tiflis bekam.

Ich blieb jedoch und bestellte mir noch ein 2tes Weißbier. Dann wurde es kühl und ich ging mit meinem Bier an die Theke. Es gab WiFi und das war die Gelegenheit mit meiner Frau zu telefonieren. Da es innen etwas zu laut wurde, ging ich hinaus um mit ihr zu sprechen. Gleichzeitig kam ein etwas mysteriöser Typ in die Kneipe und stellte sich neben mein Bier. Ohne zu zögern nahm er das Glas und trank es halb aus. Mit meiner Frau am Ohr ging ich sofort wieder rein und deutete dem Barkeeper, dass da was nicht in Ordnung ist. Es kam nun erst zu einem lauten Streit zwischen dem Wirt und dem Typen und letztendlich zu einem handfesten Rauswurf mit weiterem lauten Getöse auf der Straße. Uli war live dabei und machte sich große Sorgen um meine Sicherheit, aber ich bin langzeiterprobter Beobachter der sich in seinem ganzen Leben aus jedem Handgemenge gekonnt heraushalten konnte. Mein neues Bier wartete schließlich auch auf mich ;-)

14. April 2019

Der Abschied von Carlo war kurz und schmerzfrei, wir wollten ja in Kasachstan noch einmal gegenseitig Kontakt aufnehmen. An dem Tag kümmerte ich mich um eine Kundenwebseite und meinem Blog. Nur ein kurzer Spaziergang am Abend führte mich schließlich ins Hofbräuhaus welches wirklich originell gestaltet und auch von der Hofbräu-Brauerei eingerichtet wurde. Die imitierten Lederhosen aus Stoff und seltsamen Dirndl der Bedienungen ließen den Fake jedoch schnell auffliegen. Auch wenn man sturzbetrunken unter einem der schweren Holztische aufwachen würde, man würde es bemerken :D Nichts auf der Speisekarte konnte lesen - alles in georgischer Schrift. Eine Bedienung veruchte mir auf russisch zu helfen und einen Wortfetzen "Schaschlik" erkannte ich und bestellte mir eben solches mit Brot. Aber bitte keine Zwiebeln - auf englisch und mit pantomimischer Gesten. Ich bekam 5 Holzspießchen mit jeweils fünf Stück gegrilltem Fleisch und darüber einen Berg voll Zwiebeln - na toll!

15. April 2019

Blos raus aus der Stadt der ernsten Gesichter, so war zumindest mein Eindruck. Mal schauen ob es im Landesinneren besser wird. Mein nächstes Ziel war die drittgrößte Stadt Georgiens: Kutaissi. Sie wurde mir als eine sehr sehenswürdige Stadt mit großem kulturellen Angebot und einigen Sehenswürdigkeiten beschrieben. Schaun wir mal .. Der Weg aus Batumi hinaus führte mich noch eine Weile entlang der Schwarzmeerküste, wobei der Blick dorthin meist durch Häuser oder Bäume verdeckt blieb. An einer Lichtung erkannte ich eine Schottereinfahrt und dahinter Wasser. Ich setzte den Blinker und bog nach links in diesen Weg ein. Plötzlich Sirenengeheul und eine komische schrullige Hupe von einem Polizeiauto hinter mir. Ahhhh! Die durchgezogen Linie! Mist! Aber der Polizist erlaubte mir wenigstens ein Foto von meiner ersten Polizeikontrolle auf dieser Reise. Und man glaube es kaum, er lächelte sogar in die Kamera. Für 50Lari ist das aber auch nicht zu viel verlangt ;-) Das Wasser entpuppte sich schließlich nur als kleiner See, an dem einige Angler Würmer badeten. Prima! Fahr ich halt weiter und halte mich zukünftig von durchgezogenen Linien fern.

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In Kutaissi angekommen, war der Weg zum gebuchten Royal Hostel nicht so einfach zu finden. Mein Navi lotste mich immer verkehrt in eine Einbahnstraße. Nach zwei Runden hielt ich an dem zentralen Verkehrskreisel der Stadt zwischen einer Polizeistreife und einem Taxifahrer an. Beide Seiten versuchten mir zu helfen und kamen drauf, dass ich nur 150m weiter fahren müsste und dann rechts abbiegen muss. Aber da stand doch wieder das Schild "Durchfahrt verboten". Ich zeigte auf das Schild, einer der Beamten wedelte mit seinem Stöckchen nach dem Motto: "Husch, husch, fahr nur, wir tun dir nichts".

Gleichzeitig stand Patrik aus der Slowakei neben mir am großen Eisentor zum Innenhof des Hostels. Wir kamen gleich ins Gespräch und verabredeten uns unmittelbar nach einer kleinen "Frischmach-Runde" etwas gemeinsam zu essen und einem Spaziergang durch die Stadt. Nach der Suche im näheren Umfeld nach einem netten Lokal landeten wir im besten Cafe-Restaurant der Stadt Palaty. Wir genossen die gute Küche und das nette Lokal. Die männliche Bedienung "Suladze" sprach hervorragend deutsch und erzählte mir, dass er gerade erst von einem längeren Hotelpraktikum aus dem Saarland zurückgekehrt ist und nun auf ein Arbeitsvisum für Deutschland wartet. Nach dem Essen gab es einen Chacha aufs Haus. Dies ist ein georgischer Tresterbrand der dem Grappa sehr Nahe kommt, aber manchmal auch über 60% Alkohol enthält. Auch Patrik und ich verstanden uns gut und so besichtigten wir nach dem Essen und bei noch recht schönem Wetter alle wesentlichen Sehenswürdigkeiten der Stadt in einer Tour: von der Seilbahn über den Fluß Rioni, zur kleinen Parkanlage mit seinen maroden angehauchten Fahrgeschäften russischer Machart und anschließend noch zur Bagrati-Kathedrale.

Oben auf dem Berg der Kathedrale, mit Blick über die Ganze Stadt, sahen wir schon dunkle Regenwolken auf uns zukommen, die für die nächsten Tage regenreiches Wetter ankündigten. Da es uns beiden im Palaty sehr gut gefallen hat, gingen wir bei Einbruch der Dunkelheit und schon im Regen wieder hin. Das Lokal war sehr gut besucht und so bekamen wir nur im Nebenzimmer einen Platz. Die tägliche Livemusik wurde mit den beiden dort fest geparkten Instrumenten, ein offenes Piano und einem Kontrabass präsentiert. Jeden Abend spielten aber unterschiedlichen Musiker darauf und präsentierten somit auch unterschiedliche Musikrichtungen. Die Auswahl an Musikern war offenbar groß genug, denn keine 200m entfernt befand sich eine Musikhochschule. Patrik und ich unterhielten uns gut, er kam aus der gleichen Branche und versuchte für Armenien ein Reiseportal aufzuziehen. Erst spät am Abend und nach dem obligatorischen Chacha kehrten wir ins nur 5 Minuten entfernte Hostel zurück.

16. April 2019

Am nächsten Morgen verließ Patrik die Stadt per Bus. Und ich widmete mich mal wieder einer Kundenwebseite und meinem Blog. Es regnete. Erst am Abend trat ich aus meinem Zimmer und begab mich in die Hostelküche in der es bereits bei Bier und Tschai, Chips und Schokolade recht gesellig zuging. Die Hostelbesitzerin, eine äußerst hilfsbereite Person kochte uns Kaffee oder Tee, wusch die Wäsche der Gäste und war immer für alle da. In der Küche saß ein bunter Ländermix. Allerdings hatte ich großen Hunger und gab nur Bescheid, dass ich nun ins Palaty gehe. Ein Ägypter, der als Fahrer für Touristengruppen tätig war, schloss sich mir an. Nach einem erneute sehr leckerem Essen und etwas schwieriger Unterhaltung gab es wieder einen Chacha von meinem Freund "Suladze", der immer nette Sprüche, auch auf deutsch drauf hatte. Der Ägypter hatte allerdings Panik diesen Schnaps zu trinken und warnte mich ebenfalls davor. Er rührte das Glas nicht an. Ich glaube die Ägypter vertragen Schnaps, in keinster Weise. Und so bekam ich 2 :-) und stand von nun an unter ständiger Beobachtung des Ägypters, was denn nun schlimmes mit mir passieren wird. Das deutsche Pärchen am Nachbartisch - die beiden kamen aus Kiel - schien dies ebenfalls zu amüsieren. Erst als diese das Lokal verließen, wechselten wir ein paar Worte - diese bleiben aber nicht die letzten ;-)

17. April 2019

Es regnet immer noch. Also blieb der Tagesablauf wie am Vortag der Gleiche - erst die Arbeit, dann das Vergnügen und wo? Wer hätte das gedacht? Im Palady ;-)
Chacha ist ein geiles Zeug (Choke!). Kaum betrat ich das Lokal, sitzen die beiden netten Kieler gleich am Tisch neben dem Eingang und ich freute mich darüber, dass ich neben ihnen Platz neben durfte. Der Abend war so köstlich mit witzigen Anekdoten aus unseren Reisen und aus unserem Leben, mit ernsten und fröhlichen Gesprächthemen. Nur an einer Stelle waren wir mehr als verblüfft. Ich erzählte auch von meiner wunderschönen Motorradabfahrt aus dem Hochland Anatoliens in Richtung Schwarzes Meer (siehe Türkei-Teil 3 - letzter Tag), in der Sekunde als ich erzählte, dass meine Emotionen mit mir durchgingen, als Louis Amstrong das Lied "What a wonderful world" sang, genau in dieser Sekunde spielten die Musiker im Restaurant genau dieses Lied an. Wir schauten uns an, als wäre uns der heilige Geist erschienen! Ein unvergesslicher Moment! Thomas und Silke, ich hoffe wir sehen uns nochmal wieder!

18. April 2019

Man glaubt es kaum! Es regnet immer noch. Aber diesmal wollte ich nochmal tagsüber raus, zumal es noch eine wichtige Aufgabe für mich gab: die Bezahlung meines Polizei-Tickets. Die Banken haben dafür einen extra Automaten und der Vorgang war mit Unterstützung einer Angestellten in einer Minute erledigt. Dann gab es noch eine Sehenswürdigkeit zu besichtigen - die große Markthalle der Stadt. Ich erhoffte mir auch, dort meinen Frühstückshunger zu besänftigen. Das Wasser goss in strömen von allen Dächern und aus den Abflussrohren. Meine Turnschuhe waren bereits durch nass und fühlten sich an, als würden sie bald auseinanderfallen. So war es eher ein Slalomlauf auf den viel zu engen Bürgersteigen. Aber egal wie freundlich man älteren Damen und auch anderen Passanten Platz machte, oft schaute man nicht einmal auf, von einem Dankeschön ganz zu schweigen. Traurig so was.

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In der Markthalle kein anderes Bild. Ein lustloses vor sich hinstarren und keinerlei geschäftsfördernde Ambitionen der vielen dutzenden Standbetreiber. Es gab alle erdenklichen Früchte, sowie die georgische Spezialität die Churchrela. Das sind aufgefädelte Nüsse mit eingedicktem Fruchtsäften überzogen. Die sind ganz lecker, aber dass es einen Markt für diese tausende nebeneinander aufgehängten bunten und langen Würste gibt, dass kann ich mir fast nicht vorstellen.

Aber genau vor so einem Stand blieb ich stehen, denn endlich mal ein Verkäufer, der sich um Kunden bemühte und Kostproben allerlei Früchte und Churchrela verteilte. Neben mir standen zwei Jungs die ebenso wie ich sich durchfüttern ließen. Es dauerte Sekunden, da war uns klar, dass wir aus Deutschland kommen. Ruck-Zuck waren wir in nette Gespräche verwickelt. Aber was uns allen dreien gleichzeitig störte, war unser Hunger! Wir hatten alle drei noch nicht gefrühstückt. Als sie erzählten, dass sie aus dem Saarland kommen, war mir klar, wir müssen ein weiteres Mal ins Palaty zu meinem Freund "Suladze". Denn schließlich kam er gerade auch aus dem Saarland. Also machten sich Lukas, Lennart und ich uns auf den Weg. Das Palaty sah uns zum Frühstück und zum Abendessen und immer wurde Chacha getrunken. Die Livemusik an dem Abend war gruselig und überwiegend in D-Moll gespielt. So schlecht, dass das ganze wieder so abstrus in leisem Gespött zwischen mehreren Tischen richtig lustig wurde. Nach der 3. Spielpause - wir dachten es wäre das Ende der Quälerei. Ein Gast stand auf stellte sich mit einer tiefen Verneigung vor und setzte sich dann ans Piano. Endlich Musik!
Das Regenwetter sollte am nächsten Tag eine Pause einlegen. So vereinbarte ich mit Lukas & Lennart nach Tiflis zu fahren und dort gemeinsam ein Hostel zu buchen - und so kam es dann auch. Der Tag endete mit der ganzen Truppe in einer Diskothek in der wir die Tanzfläche beherrschten. Es waren ja auch sonst keine weiteren Gäste da :-D.

19. April 2019

Aufbruch von Kutaisi nach Tiflis und die Nacht der Nächte!

Wie sollte es anders sein, der Himmel war grau, es war nicht besonders warm und mein Motorrad war schnell bepackt. Mein Navi wurde auf "Autobahn vermeiden" eingestellt, und so fuhr ich die interessanteren Straßen Richtung Osten, quer durch ein nettes hügeliges Weinanbaugebiet, um dann nach etwa 100km wieder in die weitläufige Ebene entlang des Kvirila-Rivers zurückzukehren. Der Blick in die Berge lies mein Interesse an die dort verborgenen Sehenswürdigkeiten schnell schwinden. Tiefe dunkle Wolken und sicher auch viel Regen wirkten nicht gerade einladend. Natürlich war mein alter und gehasster Begleiter auch wieder anwesend, der ständige Gegenwind aus dem Osten. Bis 30km vor den Toren Tiflis hielt sich das Wetter, aber dann wurde es auch hier dunkler und es begann in Strömen an zu regnen. Ohne SIMM-Karte konnte ich vorerst keinen Kontakt mit Lukas & Lennart aufnehmen, dazu steuerte ich aber an der großen, verkehrsreichen Einfallsstraße ein modernes Hotel an und bat um einen WiFi-Zugang.

Die beiden hatten bereits zwei Hostel-Alternativen ausgemacht, wobei das erste wohl nicht unseren Ansprüchen genügte, denn schön klein und gemütlich sollte es sein und nicht groß und unpersönlich. Ich war froh, dass sie für mich einen Hostelplatz mit reservierten. Nach einer unendlichen Irrfahrt durch Tiflis fand ich endlich dieses kleine Hostel Pinn, direkt am Rande der Altstadt in einer relativ engen Einbahnstraße. 3 x hatte ich das Karre umrundet und bin jedes mal daran vorbeigefahren. Bis ich gefrustet und triefend Nass an einer anderen Hotelrezeption ein Zimmer nehmen wollte. Diese netten Leute gaben mir zunächst einen heißen Tschai aus und fanden dann schnell heraus, dass ich nur 50m vom Pinn-Hostel entfernt war :-)

Während dessen hat sich im Hostel bereits wieder eine nette Truppe zusammengefunden - die späteren TKKG Detektive, die mich aus meiner beinahe tiefsten Krise meiner gesamten Reise gerettet haben. Mein Motorrad sollte ich direkt vorm Hosteleingang abstellen. Angeblich sei es hier sicher. Da alles Gepäck klatschnass und dreckig war, nahm ich nur die wichtigsten Gepäckstücke mit auf unser Zimmer. Nach einem kurzen gegenseitigen Vorstellen gingen wir dann gemeinsam zum Essen in ein georgisches Restaurant und anschließend in eine coole Livemusikkneipe, in der eine wirklich gute Hardrock-Band das Publikum und auch uns einheizte. Nachdem die Band das letzte Stück gespielt hatte, zogen wir nochmals in eine etwas ruhigere Kneipe um dann ziemlich Müde gegen halb 2Uhr in der Nacht zum Hostel zurück zu kehren.

Was für ein Schreck, ein Schock ein Tiefschlag in die Magengegend!! Alle restlichen Gepäckstücke waren von meinem Motorrad geklaut. Nur eine seitliche Packtasche konnte der Dieb, dank des mit Drahteinzug diebstahlgesicherten Zurrgurtes nicht entwenden. Der Hostelbesitzer war, wie alle meine Freunde, sichtlich entsetzt und versuchten mich zu trösten. Meine Reise sah ich hiermit beendet. Ohne Campingausrüstung und der für mein Motorrad optimierten Gepäcklösung konnte ich alles vergessen.

Ich stimmte dem zu, die Polizei zu rufen, die auch wenige Minuten später mit einer bunten Lightshow auf dem Dach hinter dem Motorrad anhielt. Einer der Kollegen konnte recht gut englisch, so war die Sachlage gleich erläutert. Die Polizisten schauten sich um und erkannten, dass an der schräg gegenüberliegenden georgischen National Bank Überwachungskameras montiert waren. Aber was sollen die schon bewirken (?) auch wenn man erkennen kann, dass sich jemand am Motorrad zu schaffen macht, mein Gepäck war für immer verloren. Sie schlugen vor, dass ich mit auf die Wache komme, um dort ein Protokoll aufzunehmen. Was sollte ich anderes tun? Die Müdigkeit steckte mir in den Knochen, der Frust ebenso - aber Versuch macht bekanntlich klug. Ich hätte schreien und heulen können und dennoch gehörte die Fahrt im Polizeiauto durch Tiflis mit zum Abenteuer der Reise.

Wer die Fernsehserie Donna Leon kennt, mit Commissario Brunetti und seinem ständig uniformierten Begleiter Sergente Vianello (?) genau solch ein Polizist saß an der Zentrale und kümmerte sich um einen Dolmetscher fürs Protokoll. Während ich auf der Polizeistation wartete und den gesamte Funkspruchverkehr (ohne auch nur ein Wort zu verstehen) mit verfolgte, verabschiedete sich die Streifenbesatzung wieder. In meinem Kopf ratterte es. Ich rechnete mir den finanziellen Schaden aus. Soll ich versuchen alles neu zu beschaffen oder soll ich meine Reise hiermit beenden? Und von wo kommt jetzt ein Wunder her? "Sergente Vianello" war schon interessiert daran, was meine Pläne waren und was passiert war. Auch er war sichtlich verärgert darüber, dass so etwas in seiner Stadt passiert.

Plötzlich klingelte das Telefon. Ich schaute dem Polizisten zu und erkannte dass seine ernste Miene sich plötzlich aufhellte und dass auch er zu mir rüber blickte. Dann lachte er kurz und deudete mir, dass ich ans Telefon kommen sollte. Ich nahm den Hörer und dachte noch "HÄÄÄH?" Was kommt jetzt? Es war der Hostelbesitzer: "Your friends have found your luggage" BÄÄÄNG! Ich war wie benommen - der Polizist und ich klatschten uns ab "give me five" und er drückte mich! Ja wie verrückt ist dass denn?

Die Streife wurde zurück beordert und kaum saß ich darin, um zurück zum Hostel gebracht zu werden, wurde es auch im Polizeiauto lustig. Als wir vorm Hostel ankamen, standen alle Bewohner zusammen mit dem Hostelbesitzer vorm Haupteingang und haben mich gröhlend empfangen. Es war bereits 3Uhr Nachts. Dennoch kam die Frau des Hostelbesitzers und brachte 2 Flaschen Rotwein und die Party nahm ihren Lauf. Mein Motorrad schob ich vorher noch in einen benachbarten Innenhof, den wir aus unserem Zimmer immer im Blick behalten konnten. Dann klärten meine Freunde mich auf, dass Lennart auf die Idee kam, die nähere Umgebung doch einfach mal abzusuchen und alle halfen mit. Auf einem leerstehedem Grundstück mit einem Abbruchhaus fanden sie schließlich meine große Camping-Gepäcktasche und noch eine kleinere Tasche mit weniger Bedeutung. Der Dieb wollte das schwere Stück wohl später abholen. Aber das wichtigste und für die Fortführung meiner Reise unabdingbare Stück war wieder da :-) Nur meine Gepäckrolle mit Schlafsack und Kleinigkeiten blieb verschwunden.

Benjamin aus der Schweiz holte seine Bluetooth-BOSE-Box und spielte als erstes das Intro der alten Kinderserie TKKG und alle sangen mit :D (https://www.youtube.com/watch?v=Ak21Xxq8Wtw) - den Rest könnt Ihr Euch vorstellen ;-)

DANKE nochmals an die "LLBKG" Lennart, Lukas, Benjamin und... da ich die richtigen Namen nicht mehr auf dem Schirm hab ... der Polizist aus Berlin mit seiner Freundin - schreibt mir mal bei Gelegenheit!

20.04. Den relativ guten Ausgang des Diebstahls durch das Mitwirken der TKKG haben wir noch am Morgen danach weiter gefeiert und leider auch den frühen Abschied von "K" und "G". Nach einem gemeinsamen Frühstück zog ich ebenfalls los, um mir einen Ersatz der verschwundenen Dinge zu kaufen. Aber als erstes brauchte ich neue Turnschuhe. Meine Allstars lösten sich durch die ständige Nässe langsam auf und der Geruch wurde auch nicht besser. Die mir empfohlene, außerhalb der Stadt liegende, wohl riesengroße ShoppingMall war aufgrund meiner Müdigkeit zu umständlich, so blieb ich im Stadtkern und wurde zum Glück auch hier fündig. Sicher hätte ich mit mehr Mühe und Recherche Geld sparen können. Aber aufgrund des ohnehin sehr günstigen Preisniveaus hier in Georgien war mir der schnelle Kauferfolg wichtiger. Von Adidas ergatterte ich einen bequemen Turnschuh, in lebensbejahendem Schwarz, dazu passend einen 4er-Pack Socken und bei TheNorthFace einen recht guten Schlafsack, allerdings diesmal keine Daune und somit schwerer und mit größerem Packmaß. Alles in allem sind die Produkte aber rund 10% - 20% günstiger als in Deutschland. Mein Gepäck wurde ein wenig umgeschichtet, somit konnte ich auch den geklauten Ortlieb-Packsack ohne Neukauf ersetzen.

Eigentlich bin ich nicht böse über das nass-kalte Wetter, so blieb mir für die nächsten Tage genügend Zeit für PC-Arbeiten, mit den lieben Hostel-Bewohnern zu quatschen, die Stadt zu besichtigen und zu relaxen.

23. April 2019

Tagsüber kam ich nicht wirklich in die Gänge, hab im Hostel meine Sachen sortiert, erste Gepäckstücke wieder am Motorrad angebracht und feststellen müssen, wieviel Gurte der Dieb angeschnitten und zerstört hat. Benjamin war Morgens auf der iranischen Botschaft um sein Visa abzuholen. Dies war bereits sein dritter Anlauf - aber er bekam es und war heil froh. Er verließ kurz darauf das Hostel. Und wenn alle Zufälle - wie so oft - zusammenlaufen, dann treffen wir uns in Kasachstan wieder.
Ein geplantes Treffen stand heute mit meinen Internet-Bekanntschaften Ralf und Klaus an. Die beiden kommen aus der Nähe von Wolfenbüttel und sind seit dem 1.April mit ihren Motorrädern unterwegs und haben das Gleiche Ziel wie ich. Aber wie auch meine Erfahrung bereits gezeigt hat, muß so ein Team harmonieren. Und so stand ein erstes "beschnüffeln" an. Um 18:30Uhr hatte ich mich mit ihnen vor einer großen Shoppingmall verabredet. Ich hatte nichts zu tun und trieb mich bereits eine halbe Stunde früher dort herum. Je näher der Zeitpunkt kam, desto aufmerksamer beobachte ich die Menschenmassen die sich hier vorbeischoben. Dann erreichte mich eine SMS "Wir schaffen es nicht pünktlich, wir sind auf der Polizeistation, Klaus hat seine Kamera im Taxi vergessen". Noch so Pechvögel wie ich, war mein erster Gedanke, das kann ja lustig werden. Und so wurde es auch! Unser etwas verspätete Treffen in einem georgischen Restaurant lief super. Endlich ein gemeinsamer Level von Humor, Vernunft, Anstand und Bierdurst!  Ich denke wir drei Opas (wir haben alle drei bereits Enkelkinder) werden als Team den Pamir locker bezwingen.

Ralf & Klaus planten gleich am nächsten Tag über Sighnaghi und weiter nach Baku zu fahren. Ich hingegen hatte noch ein anderes Ziel in Georgien vor Augen. Es muß doch noch möglich sein freundliche, aufgeschlossene und fröhliche Georgier zu finden - als Einzelperson ist das kein Ding! Aber im Kollektiv? Vielleicht am Ende der Welt? Der Beitrag folgt hoffentlich bald!

Die Reise bleibt spannend!