Türkei Teil 1

02.April 2019

Hab heute den ganzen Tag am Blog geschrieben bei langsamen Internet und nervigen Laubbläsern, Rasencuttern und Rasenmäher ringsum. Abends saß ich mit 6 Rentnern aus Deutschland, Österreich und der Schweiz, die mit Ihren Wohnmobilen bereits die halbe Welt bereist haben, in einem griechischem Lokal mit hervorragend leckeren Speisen. Es wurde ein lustiger Abend mit interessanten Gesprächen und Erfahrungsaustausch. Mit Albi und Ilse aus Friedrichshafen, die mit Ihrem MAN-Truck aus dem Oman auf dem Heimweg waren, saß ich noch bis spät bei leckerem Metaxa in deren gemütlichem Zuhause auf dicken Reifen.

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03. April 2019

Eigentlich wollte ich noch einen Tag hier bleiben erst meine Sachen langsam sortieren und die Stadt anschauen - aber wieder Laubbläser! Und nachdem sich alle Rentner bei mir zur Weiterreise verabschiedet haben, packte mich auch wieder die "Reiselust" Gegen Mittag bei rund 20Grad verlies ich den Platz. Keine lange Unterhose an, weil so warm und bereits meine Sommerhandschuhe an. Das sollte ich bereuen - 40km/h kalter Gegenwind je weiter ich nach Osten kam, desto kälter wurde es. An der Grenze waren nur 2 - 3 Autos vor mir. Allerdings ein 4km langer LKW-Stau. Ein Trucker erzählte mir dann, dass es meist bis 2 Tage dauert, bis man selber vom Zoll abgefertigt wird.

Bei mir ging es durch 4 Kontrollstellen recht schnell. An der 5. Station kam ein Zöllner auf mich zu. Er sah aus wie Pastewka und so glaubte ich, er hätte Humor. Aber Pustekuchen! Ich solle bitte rechts ran fahren und meine seitliche Packtasche öffnen. Das tat ich dann auch sofort und wartete. Ich wartete 5 Minuten, 10 Minuten Pastewka lief immer noch gelangweilt zwischen den Autos umher und trank genüßlich seinen mit Sicherheit kalten Kaffee aus einem Coffee-to-Go-Becher. Dann nach einer gefühlten Ewigkeit rief mich ein anderer Zöllner zu sich und wollte erneut meine Papiere sehen. "You are finnisch now!" "And the Check?" "You are finnisch now!" - Ja was war das denn jetzt? Erst einige Zeit später machte ich mir einen Reim darauf, denn während ich da so wartete, kam ein Hund zu mir herbei getrottet, er schnüffelte gemächlich überall herum und ließ sich dann von mir streicheln. Sollte das etwa ein Rauschgift-Schnüffler gewesen sein? Gut möglich!

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Weiter ging es Richtung Istanbul auf der 4spurigen neuwertigen Autobahn bzw. Schnellstraße. Die Landschaft an sich war langweilig, leich hügelig und mit großen Ackerflächen. Direkt an der Strecke befanden sich oftmals die landwirtschaftlichen Höfe. So fuhren auch Tracktoren auf der Bahn, Hühner, Ziegen und Kühen mußte ich auch ab und an ausweichen, auch Autos kamen mir auf dem Standstreifen entgegen gefahren - alles voll normal!

Es wurde weiterhin immer kälter, der stramme Wind von vorne panschte gegen meinen Helm als sei ich für ihn ein Sparringspartner im Ring, er schnitt mir ins Gesicht und kühlte mich aus. Die Sonne stand schon recht tief hinter mir und mein Navi zeigte immer noch rund 70km bis zum Ziel an. Das Ziel sollte der Triumph-Händler in Istanbul sein, damit ich mir dort eine neue Kette aufziehen lassen konnte.

Am Abend zuvor bekam ich den Hinweis, das man in Istanbul für die Nutzung der Autobahn und den Brücken eine Gebühr zahlen muß. Das System funktioniert wie ein Skipass, man kauft sich diese HGS genannte Karte zuvor uns steckt sich die einfach in die Tasche. Aber wo bekommt man diese? Plötzlich stand ich vor der ersten HGS-Kontrollstation. Ich traute mich nicht hindurch, ohne diese blöde Karte zu haben und bog rechts in eine kleine Straße ab die zu einer Raffinerie führte. Die Eingangstore waren mit Straßensperren und schwer bewaffneten Security-Personal bewacht. Dennoch fuhr ich bis vor deren Füße. Zunächst noch sichtlich nervös konnte aber keiner meine Frage nach der Verkaufsstelle HGS beantworten - da niemand dort englisch sprach :-( Also wieder zurück durch eine wegen Baustelle gesperrten Unterführung - offroad - und dann ca. 10km zurück in den nächsten Ort.

Im Gespräch gestern schnappte ich auf, dass es diese HGS Karten in Shell-Tankstellen geben sollte. Mein Glück im Ort gab es eine Shelltankstelle, aber ein sehr nette hilfsbereite Muslimin versuchte mich mittels Google-Translator zu verstehen. Schließlich wurde noch ihr Mann herbeigerufen und der konnte mir dann auf einem Blatt Papier skizzieren wo sich die Verkaufsstelle befand. Direkt in dem unscheinbaren Häuschen an der Kontrollstation - aber nicht in meiner Fahrtrichtung, sondern auf der anderen Seite. Na toll, also wieder zurück, beim Wenden auf der Autobahn, um zum Häschen zu gelangen, hätte ich fast noch den Gegenverkehr übersehen und konnte mich nur durch einenbeherzten Gasstoß retten. Dann war ich kurze Zeit später im Besitz dieser HGS-Karte.

40km vor dem Ziel lotste mich Tante Navi von der Autobahn auf vorstädtische Straßen, die im Berufsverkehr schon sehr dicht befahren wurden. Nun lernte ich den türkischen Straßenverkehr kennen. Der ist nicht jedermanns Sache! Mit Sicherheit nicht! Aber mir macht solch ein regelloses Gewusel zwischen all den vielen Fahrspuren, Kreisel und Abbiegespuren irgendwie Spaß - wenn mir nicht so kalt geworden wäre und solange es noch hell war. Aber das ändert sich hier ganz rasch. Sobald die Sonne hinterm Horizont verschwand, wurde auch gleich das Licht ausgeschaltet. Leider war ich noch auf der europäischen Seite und musste noch auf die andere Seite des Bosporus - aber wie? 3x verpasste ich eine unscheinbare Abbiegespur um auf die andere Seite zu gelangen. Nach jedes mal etlichen Schleifen und U-Turns durch wildestem Verkehr war ich nun auf der richtigen Spur - aber von wegen Brücke - es war ein hochmoderner Tunnel der mich unter den Bosporus führte. Das die Nutzung für Motorräder streng verboten ist erfuhr ich allerdings erst am nächsten Tag.

Nun wollte ich nur noch eine Übernachtungsmöglichkeit finden unbedingt mit Tiefgarage. Die günstigen Hotels mitten in den kleinen Stadt-Gassen bieten so etwas natürlich nicht. So stand ich dann so gegen 21Uhr völlig erschöpft vor dem riesigen "Silent-Hotel". 90Euro/Nacht - meine blauen Augen versuchte den Preis zu drücken. Die Damen ließ sich auf 80Euro herunter handeln. Da dies ihr System nicht hergab, rief sie ihren Vorgesetzten, einen Deutschen an und der sagte gleich 70€/Nacht mit Frühstück :-) Welch Erholung mich unter der heißen Dusche wieder aufzutauen und dann todmüde ins Bett zu fallen.

04.April 2019

Nach einem guten und reichhaltigen Frühstück in luxuriösem Ambiente packte ich meine Klamotten wieder aufs Motorrad. Mit der Erfahrung von gestern, wie kalt es werden kann, knöpfte ich alle meine wasserdichten Thermoschichten in meinen Kombi - wie blöd war das denn jetzt (?) merkte ich kurze Zeit später. Nach erreichen der GPS-Zieladresse, kein Triumph-Händler zu finden, es war nicht einmal ansatzweise eine Gegend, in der man ein solches Geschäft eröffnen würde. Nach viel Fragerei und bereits komplett durchgeschwitzt versuchte ich nochmals mein Glück mittels meiner Navi-Tante. Zufällig stand ich neben einer kleinen Moped- und Scooter Werkstatt. Prompt kam der Eigentümer in seiner mit Öl verschmierten Jeans heraus und versuchte mir zu helfen. Auch er sprach kein Englisch, aber Mopedfahrer verstehen sich auch so ;-) Schließlich fand er auf Google-Map die richtige Adresse, aber wir konnten diese in mein Navi nicht übertragen. Shit. Dann deutete er mir an kurz zu warten. Mit Helm und Motorradjacke kam er wieder heraus, schloss seine Werkstatt zu und fuhr auf seiner 125ccm mir voran durch zig kleine Gassen, an Autoschlangen vorbei bis wir nach ca 25 Minuten wildem Ritt vor einem luxuriösem hochmodernem Laden standen: Triumph, Ducati, MV-Agusta Türkey!

Überglücklich nahm ich meinem türkischen Helfer in den Arm und bedankte mich - einfach cool! Keine 2 Minuten später stand die gesamte Mannschaft aus dem Laden um meinem Motorrad herum, fotografierten es und übertrugen es auch gleich auf den hauseigenen Instergram-Account. Ich war überwältigt von der Herzlichkeit und Hilfsbereitschaft, die mir an diesem gesamten Tag widerfahren ist. Ich wurde gleich 2 x zum Essen eingeladen, hab dabei als Sozius auf einer Vespa einen kleinen Ausflug zu einem Lokal überlebt, wir haben tolle Gespräche geführt, ich hab neue Freunde gewonnen, weder den Kurier noch die Montage der Kette musste ich zahlen, nur den Materialpreis. Ich bin wirklich tief beeindruckt von den Menschen hier! Für diese Nacht hatte ich dann ein um die Hälfte günstigeres Hotel, aber nahezu genauso gut!

05.April 2019

Mal wieder gut gefrühstückt, schnell in meinem Zimmer noch ein paar Zeilen geschrieben und dann ausgecheckt. Es ist immer ein Akt bis alles auf dem Motorrad verstaut und festgezurrt ist. Normalerweise stehe ich dann bereits im eigenen Saft. Doch diesmal stand ich in einer schön kühlen Hoteltiefgarage - also recht angenehm. Zündung an, Starterknopf gedrückt , prabel, prabel läuft. Ohh tanken muß ich noch! Egal erstmal den richtigen Kurs einschalgen. Nun geht es weiter gen Osten! Die Stadt ist besteht aus einem unendlichen Straßengewirr und aus X-Stadtautobahnnen mit entsprechend ausladenend Autobahnkreuzen und Abbiegespuren. Meine geplante Tour war erst schnellst möglich raus aus der Stadt. Und Mist! Wieder eine Abfahrt verpasst! Wie weit komme ich noch? Mein Bordcomputer zeigt noch 14km an. Das kann jetzt knapp werden. Mitten in Istanbul trocken zu fahren, wäre auch ein Kunststück, dass nicht jeder fertig bringt ;-) Also rechts ran,  das Navi umprogrammiert auf die nächst beste Tankstelle - 1,4km - Glück gehabt. Noch schnell eine steril in Plastik eingepackte Banane gekauft. Gottseidank stand auf der Klarsichtfolie BANANE, sonst hätte sich sicher jemand verarscht gefühlt, wenn er geglaubt hätte es sei eine gelbe Teewurst oder so.

Nach einer halben Stunde war ich endlich auf dem richtigen Kurs - im zäh fließenden Verkehr. Also links, rechts und hauptsächlich dran vorbei, da wo Lücken sind. Plötzlich bemerke ich ein anderes klassisches Motorrad neben mir. Ohh - eine Royal Enfield Himalaja,  wie schön. Und was soll ich sagen,  der Typ war genauso bepackt wie ich! Das ist der unvermeidliche Moment, um Kontakt aufzunehmen und gemeinsam den nächsten Rastplatz für einen Austausch anzusteuern "Woher? Wohin?" Das üblich halt. Kennen wir ja schon ;-)

Carlo aus Rom ist mit seinem Business-Studium fertig und schreibt nun seine Masterarbeit. Diese handelt von dem Einfluss des Glücklich sein und der Produktivität. Daher führt ihn sein Weg bis nach Indien bzw. Buthan - den statistisch gesehen glücklichsten Volk der Erde. Unser Weg ist bis Kirgisien nahezu identisch. Was für ein Zufall mal wieder? Oder? Nun fuhren wir gemeinsam zunächst die rund 450km bis Ankara ins Hotel, welches Carlos bereits im Vorfel günstig gebucht hat und dann gehts morgen weiter nach Görem. Dazu später mehr. 

Nur noch eins, wir sind vorgewarnt worden, je weiter wir Richtung Anatolien kommen, desto wilder und rücksichtsloser sind die Autotfahrer. Meinen italienischen Freund mußte ich bereits etwas einbremsen, sonst ... (?!?)

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